Zitat

“Je verdorbener der Staat, desto mehr Gesetze hat er.”
von Tacitus
Politik

Innenminister fordern Verbot von Killerspielen

Wie Welt Online und heise online heute berichten, haben sich die Innenminister von Bund und Ländern auf ihrem Frühjahrstreffen in Bremerhaven am heutigen Freitag auf ein schärferes Vorgehen gegen sogenannte “Killerspiele” geeinigt.
Ich Depp, habe ich mich doch im ersten Moment gefragt, wieso die Innenminister fernab ihrer Zuständigkeit die Bundeswehr abschaffen wollen?
Weit gefehlt!

revolverknotenBillig, undifferenziert, ohne Tiefgang und Substanz.
Es geht mal wieder sinnfrei gegen die Gamer und damit gegen die modernen internetten Varianten von Cowboy und Indianer, Räuber und Gendarm oder Paintball (Gotcha).
Das sind nämlich alles potentielle Mörder und Amokläufer!

Komisch, hab ich früher als echter Junge in der zünftigen kurzen Lederhose  -- wie wahrscheinlich Millionen andere vor und nach mir -- auch gespielt.

Ja im Grunde war ich als Kind ein Egoshooter!
Und gespielt habe ich später mit Aufkommen der Personal Computer auch virtuelle, nämlich die pixeligen Urväter von Counterstrike bis hin zu Variationen von Quake, Half Life und Konsorten.

Dennoch habe ich bis heute -- wie Millionen andere vor und nach mir -- noch niemanden getötet.
Und das, obwohl ich im “Real Life” seit Dekaden berufsbedingt eine scharfe Schusswaffe führe und faktisch jederzeit könnte.
Muss ich mir jetzt Sorgen über meine Killerdefizite machen, mich fragen ob ich was falsch mache oder vielleicht krank bin, nur weil ich niemanden umbringe und mich nicht einmal danach gelüstet?

Wenn man Untersuchungen Glauben schenken darf, sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung Psychopathen.
Eine gewaltige und furchteinflößend hohe Zahl, immerhin unaufgedröselt über vier Millionen latent gefährliche Kranke alleine in Deutschland.
Und Gewalt ist nun einmal ein nicht wegzudiskutierender vielfältiger Bestandteil der menschlichen Natur und Gesellschaft.

Im Verteidigungsfall oder in Kriegszeiten mögen Psychopathen noch ein überlebenswichtig unabdingbares Maß an Gemeinnützigkeit aufweisen -- jedenfalls an vorderster Front und natürlich nur für ihre jeweilige Seite.
Denn zweifellos sind Psychopathen in der Geschichte kriegerischer Konflikte die besten und effektivsten Kämpfer.
Da schlägt das gewissenlose Killergen plötzlich entgegen dem mehrheitlichen Friede-Freude-Eierkuchen-Wunschdenken positiv zu Buche.

Aber in zumindest mitteleuropäisch eher friedlichen Zeiten landet ein nicht unerheblicher Teil dieser besonderen Sorte Mensch auf Grund ihrer emotionellen Armut und Rücksichtslosigkeit beinahe zwangsläufig nicht selten in Führungspositionen, so auch an den Schaltstellen der Macht in Wirtschaft und Politik.
Und der andere Teil landet nicht selten letztendlich zu Recht im Gefängnis, ohne erst über Los zu gehen – oder gehörte wenigstens von Rechts wegen und zum Schutz der Allgemeinheit dorthin.
Vor beiden Fraktionen sollten wir uns allerdings hüten und sie sorgsam im Auge behalten.

Mein gesunder Menschenverstand sagt mir jedenfalls schlicht, dass man als Vorbedingung zwingend gewaltig einen an der Waffel haben muss, um beispielsweise einen Amoklauf oder andere von der Allgemeinheit ähnlich normierte Gräueltaten hinzulegen.
Ohne einen bereits vorhandenen wie auch immer gearteten Hirndefekt wird das sonst nichts, trotz “Killerspielen”.
Sei es nun durch Krankheit, Medikamente oder weil der Ball zu groß und das Tor zu klein ist.

Ich bin sicher, mit wirrem Kopfsalat geht ein School Shooting -- oh Wunder -- auch ganz ohne den bis heute unbelegt unterstellten und fahrlässig oder gar mutwillig zusammenkonstruierten Einfluss von sogenannten Killerspielen.
Da müssen im Vorfeld ganz andere Dinge schiefgelaufen sein, die einen solchen gravierenden mangelnden Respekt vor dem Leben verursachen.

Interessante Beiträge zum Thema von Stigma Videospiele 

Übrigens, in Amiland, wo bekanntlich die Erfinder des Amoklaufs herstammen, gibt es eine Übersicht, wie viele Täter bei der Tatausführung von Gewaltdelikten unter Medikamenteneinfluss standen.
Also zum Beispiel diese kleinen bunten Pillchen, die unter anderem den vermeintlichen Zappelphillip ruhigstellen oder den Konzentrationsschwachen in der Schule schlaumachen sollen – und die auch hier fragwürdiger weise immer mehr in Mode gekommen sind.
Das Antidepressiva Prozac (Fluoxetin) beispielsweise kommt dabei ziemlich schlecht weg.

Sollte man zumindest mal im Hinterkopf behalten, drüber nachdenken -- und als Erziehungspflichtiger einen interessierten Blick in den eigenen Medikamentenschrank, Abteilung Nachwuchs, werfen.

Gesundheitspolitik, die Pharmaindustrie, Einheitsdosierungen vs. Medikamentenverträglichkeit und Co., Gehirnforschung und Epigenetik sind allerdings Themen für sich.

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