Zitat

“Jeder Deutsche hat die Freiheit, Gesetzen zu gehorchen, denen er niemals zugestimmt hat; er darf die Erhabenheit des Grundgesetzes bewundern, dessen Geltung er nie legitimiert hat; er ist frei, Politikern zu huldigen, die kein Bürger je gewählt hat, und sie üppig zu versorgen – mit seinen Steuergeldern, über deren Verwendung er niemals befragt wurde. Insgesamt sind Staat und Politik in einem Zustand, von dem nur noch Berufsoptimisten oder Heuchler behaupten können, er sei aus dem Willen der Bürger hervorgegangen.”
von Hans Herbert von Arnim Das System. Die Machenschaften der Macht
Politik

Fehler im System

Unmittelbar nach seiner Wiederwahl ist Horst Köhler meinen Erwartungen insoweit gerecht geworden, als dass er sich für mehr direkten Einfluss der Bürger auf politische Entscheidungen ausgesprochen hat, somit faktisch für mehr direkte Demokratie.

In der Phoenix Runde vom 28.05.2009 mit Anke Plättner zum Thema “Wir sind das Volk – Brauchen wir mehr Demokratie?” hat der Diplom Volkswirt Univ.-Prof. Dr. iur. Hans Herbert von Arnim unter anderem am Beispiel der kommende Woche stattfindenden Europawahl erneut deutlich gemacht, woran es in diesem Lande krankt.
Von den 99 vakanten deutschen Sitzen im Europäischen Parlament steht nämlich ein Großteil der zukünftigen Amtsinhaber bereits vor der Wahl namentlich fest.
Gleiches gilt auch für die Bundestagswahl im kommenden September.

Die ebenfalls an der Runde teilnehmenden Politiker Dieter Wiefelspütz (SPD) und Norbert Geis (CDU) sind beispielsweise schon automatisch Mitglieder im nächsten Bundestag und stehen damit nur exemplarisch für viele andere.

Zu Recht taucht die Frage auf, wo der Bürger da noch eine Wahl hat?

Deutschland ist mitnichten die Speerspitze der Demokratie, wie ein Blick über den Tellerrand, besonders auf die eidgenössischen Nachbarn, offenbart.
In der Schweiz finden in absoluten Zahlen über 50% aller weltweiten Volksabstimmungen statt!
Und die leben ja bekanntlich nicht gerade schlecht damit, wie der vierte Gast in der Runde, der Schweizer Prof.Dr.rer.soc. Gebhard Kirchgässner, plausibel bestätigen konnte.
Das sollte man sich mal in Ruhe durch den Kopf und dann wie ein Ricola auf der demokratischen Zunge zergehen lassen.

Hans Herbert von Arnim hat mir in der Runde viel Freude bereitet und meine Neugier auf diesen Mann geweckt.
Wer ist das, was macht er und wo liegt seine Qualifikation zum Thema und zur Politik?
Von ihm stammen immerhin so denkwürdige Zitate wie

Das Grundübel unserer Demokratie liegt darin, dass sie keine ist.
Das Volk, der nominelle Herr und Souverän, hat in Wahrheit nichts zu sagen.

oder

Jeder Deutsche hat die Freiheit, Gesetzen zu gehorchen, denen er niemals zugestimmt hat; er darf die Erhabenheit des Grundgesetzes bewundern, dessen Geltung er nie legitimiert hat; er ist frei, Politikern zu huldigen, die kein Bürger je gewählt hat, und sie üppig zu versorgen – mit seinen Steuergeldern, über deren Verwendung er niemals befragt wurde.
Insgesamt sind Staat und Politik in einem Zustand, von dem nur noch Berufsoptimisten oder Heuchler behaupten können, er sei aus dem Willen der Bürger hervorgegangen.

Licht ins Dunkel bringt sein allemal lesenswerter wissenschaftlicher und publizistischer Werdegang.
Der Mann steht ab sofort auf meiner Merkliste.

Politik

Hotte for president

Bundespraesident-Horst-Koehler-Offizielles-Portraet Gestern kurz nach 14:00 Uhr gelang Helmut Kohls ehemaligem Sherpa Horst Köhler dank Unterstützung der CDU/CSU und FDP mit 613 von 1223 Stimmen in der 13. Bundesversammlung eine knappe Punktlandung zur Bestätigung im Amt für weitere fünf Jahre als Bundespräsident.
Keine schlechte Wahl, wie ich finde!
Solide, bedacht, bescheiden, authentisch und glaubwürdig fällt mir dazu unter anderem spontan ein. 
Seine Ablehnung zwei Gesetze zu unterzeichnen, die er für verfassungswidrig hielt, sowie obrigkeitlich eher als unbequem empfundene Äußerungen in der Öffentlichkeit in Form mahnender und wohldosierter Hinweise zu aktuellen Entwicklungen verbuche ich darüber hinaus eindeutig als Bonuspunkte auf der nach oben offenen Sympathieskala.
Meiner Meinung nach neben Richard von Weizsäcker einer der besten Bundespräsidenten, den diese Republik bislang hatte.
Der alte und neue Bundespräsident hat zweifellos was im Kopf -- und entgegen der gewollt eingeschränkten Machtbefugnisse seines Amtes “Cojones”.
Respekt, ich sage Ja zu Horst Köhler, meine Zustimmung und mein Vertrauen hat der Mann!

Nur der Vollständigkeit halber, die ewig unergründlich lächelnde Gesine Schwan errang wenn auch weniger als erwartet immer noch respektable 503 Stimmen, der linke Schauspieler Peter Sodann 91 und ein rechter Barde, dessen Name mir untragischerweise entfallen ist, bedeutungslose 4 Stimmen.
Zehn Wahlmänner oder –frauen haben sich frevelhafter Weise der Stimme enthalten, zwei es tatsächlich geschafft ihre Wahl ungültig zu machen und Nr. 1224 konnte kurzfristig wegen Erkrankung am Abend zuvor nicht teilnehmen.

Ein wenig peinlich war allenfalls das flache Absingen der Nationalhymne, da wäre aus mehr als tausend demokratischen Kehlen mehr Saft zu erwarten gewesen.
Ob man es braucht steht auf einem ganz anderen Blatt, aber wenn schon, dann fehlten eindeutig die glasklaren Höhen und die abgrundtiefen Bässe.
Das war ja fast Nationalmannschaftsniveau!

Als kleines Ständchen zum 60. Geburtstag von Grundgesetz und Bürokratenrepublik sowie als Glückwunschbotschaft an Hotte setze ich heute aus Geschichtsbewusstsein ganz nostalgisch mal auf einen Oldie aus dem Jahr 1948

Von 60 Jahren in Frieden und Freiheit durfte ich dankbarerweise an nunmehr fast 46 Jahren teilhaben.
Aber ich möchte auch, dass das noch lange so bleibt und nicht durch immer mehr Ballast und fragwürdige An- und Umbauten vorzeitig noch mehr Lack von diesem  demokratischen Hochglanzschmuckstück abblättert, da Rost ansetzt und Lochfraß droht.